Briefe gegen das Vergessen
ein herzliches Dankeschön verbunden mit den besten Wünschen für das Jahr 2026. Vor allem Gesundheit und Zuversicht in diesen schwierigen Zeiten wünscht Ihnen/Euch
Täglich werden Menschen weltweit festgenommen, bedroht, gefoltert, getötet. Weil sie ihre Meinung sagen, sich für die Menschenrechte in ihrem Land einsetzen oder mit friedlichen Mitteln ihre Regierung kritisieren. Gewaltlose politische Gefangene verschwinden oft für Jahre hinter Gittern – ohne faires Gerichtsverfahren und unter unterschiedlich schwierigen Haftbedingungen. Die Gefahr, dass sie vergessen werden, ist groß. Darum brauchen sie unseren Schutz, unsere Solidarität, unseren Einsatz!
Aus diesem Grund startet Amnesty International sogenannte „Briefe gegen das Vergessen“. Sie geben den Gefangenen Hoffnung und zeigen den Verantwortlichen, dass die Gefangenen nicht in Vergessenheit geraten sind. Die „Briefe gegen das Vergessen“ wirken durch ihre enorme Anzahl.
Wir brauchen Ihre Unterstützung
Wir brauchen Ihre Unterstützung. Gegen das Vergessen. Beteiligen Sie sich an den Briefen gegen das Vergessen.
September 2026
Oberste Justizautorität
Gholamhossein Mohseni Ejei
c/o Embassy of Iran to the European Union
Avenue Franklin Roosevelt No. 15
1050 Bruxelles
BELGIEN
Im September 2026
Sehr geehrter Herr Gholamhossein Mohseni Ejei,
aufgrund von Informationen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) wende ich mich heute an Sie.
In diesem Fall handelt es sich um Verisheh Moradi.
Sie ist inhaftiert und nach wie vor von der Hinrichtung bedroht. Sie gehört der kurdischen Minderheit im Iran an und wurde 2024 wegen „bewaffneter Rebellion gegen den Staat“ (baghi) zum Tode verurteilt. Zwar ordnete der Oberste Gerichtshof im Dezember 2025 eine Neuverhandlung an, doch ich befürchte, dass sie erneut zum Tode verurteilt werden könnte.
Verisheh Moradi fiel nach ihrer Festnahme fast vier Monate lang dem Verschwindenlassen zum Opfer. Sie wurde eigenen Angaben zufolge gefoltert und anderweitig misshandelt, in Einzelhaft gehalten, geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt und ohne Rechtsbeistand verhört. Ihr „Geständnis“, mit Waffengewalt für kurdische Gruppen gegen die Islamische Republik Iran gekämpft zu haben, legte sie unter Folter ab. Ihr Gerichtsverfahren war grob unfair und sie muss im Neuverfahren freigesprochen werden.
Ich bitte Sie daher dringend, dafür zu sorgen, dass Verisheh Moradi ein faires Neuverfahren erhält und freigesprochen wird. Sie muss umgehend aus der Haft entlassen werden und bis zu ihrer Freilassung Zugang zu angemesser medizinischer Versorgung, ihrer Familie und ihrem Rechtsbeistand haben. Bitte stellen Sie sicher, dass sie vor weiterer Folter und Misshandlung geschützt wird und ihre Foltervorwürfe unabhängig und unparteiisch untersucht werden. Verhängen Sie zudem ein offizielles Hinrichtungsmoratorium.
Mit freundlichen Grüßen
Premierminister
Aziz Akhannouch
Palais Royal Touarga
Rabat 10070
MAROKKO
Im September 2026
Sehr geehrter Herr Premierminister,
aufgrund von Informationen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) wende ich mich heute an Sie.
AI ist eine unabhängige nicht-staatliche Organisation mit beratendem Status bei den Vereinten Nationen und der UNESCO. Die Organisation arbeitet weltweit für die Verteidigung von Menschen, die unter der Verletzung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen inhaftiert, gefoltert, verschleppt oder getötet wurden bzw. werden.
In diesem Fall handelt es sich um Ibtissame „Betty“ Lachgar.
Sie ist zu Unrecht inhaftiert und angeklagt worden. Weil sie ein Foto von sich in den Sozialen Medien veröffentlicht hatte, auf dem sie ein T-Shirt mit der Aufschrift „Allah ist lesbisch“ trägt, wurde sie im August 2025 inhaftiert und wenig später wegen „Beleidigung des Islams“ zu zweieinhalb Jahren Haft und einer Geldstrafe verurteilt.
Der Inhalt ihres Social-Media-Posts fällt unter das Recht auf freie Meinungsäußerung und ist daher gemäß internationaler Menschenrechtsnormen geschützt. Die Einschränkung dieses Rechts ist nur in Ausnahmefällen zulässig. Im Fall von Betty Lachgar verstoßen Strafverfolgung und Verurteilung gegen die menschenrechtlichen Verpflichtungen Marokkos. Die Aktivistin muss dringend operiert werden – ihr Gesundheitszustand ist schlecht und sie befindet sich in Einzelhaft. Dennoch wurden ihre Anträge auf vorläufige Freilassung bisher abgelehnt.
Bitte sorgen Sie dafür, dass Ibtissame „Betty“ Lachgar sofort freigelassen und ihre Verurteilung aufgehoben wird, da sie lediglich ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrgenommen hat. Zudem muss sie bis zu ihrer Freilassung angemessen medizinisch versorgt werden.
Mit freundlichen Grüßen
Minister of Justice
Dr. Walid bin Muhammad Al Sama’ani
Riyadh
Postal Code 11472, P.O. Box 7775
SAUDI-ARABIEN
X: @ MojKsa
E-Mail: 1950@moj.gov.sa oder minister-office@moj.gov.sa
Im September 2026
Sehr geehrter Herr Minister,
aufgrund von Informationen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) wende ich mich heute an Sie.
AI ist eine unabhängige nicht-staatliche Organisation mit beratendem Status bei den Vereinten Nationen und der UNESCO. Die Organisation arbeitet weltweit für die Verteidigung von Menschen, die unter der Verletzung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen inhaftiert, gefoltert, verschleppt oder getötet wurden bzw. werden.
In diesem Fall handelt es sich um Abdulrahman al-Sadhan.
Der Mitarbeiter des Roten Halbmonds wurde im März 2018 festgenommen und fiel dann fast zwei Jahre lang dem Verschwindenlassen zum Opfer. Er befindet sich immer noch zu Unrecht in Haft.
Am 5. April 2021 wurde Abdulrahman al-Sadhan in einem unfairen Prozess zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt, gefolgt von einem 20-jährigen Reiseverbot. Grundlage für die Verurteilung waren humoristische Tweets, die von einem Twitter-Account versendet wurden, den er betrieben haben soll. Neben den ihm zur Last gelegten Tweets wurde auch ein zweiseitiges „Geständnis“ als Beweis herangezogen, welches unter Folter erzwungen worden sein soll. Im Jahr 2022 erklärte die UN-Arbeitsgruppe gegen willkürliche Inhaftierungen seine Haft für willkürlich. Abdulrahman al-Sadhan ist offenbar im Al-Ha’ir-Gefängnis in Riad inhaftiert und hat keinen Kontakt zu seiner Familie.
Bitte sorgen Sie dafür, dass Abdulrahman al-Sadhan umgehend und bedingungslos freigelassen wird.
Stellen Sie zudem sicher, dass er bis zu seiner Freilassung regelmäßigen Kontakt zu seiner Familie und seinem Anwalt haben kann und dass er weder gefoltert noch anderweitig misshandelt wird.
Mit freundlichen Grüßen
